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  • 2016: Theater mit Flüchtlingen


    (mg) Wohlwollende und auch mitfinanzierende Begleitung war eigentlich von Anfang an sicher: Der Elternbeirat des PGH, private Spender und auch der Bezirksbeirat Plieningen-Birkach waren sofort begeistert vom Plan für ein Theaterprojekt von vier Schulen und Jugendlichen aus dem Flüchtlingsheim „Im Wolfer“. So richtig vorstellen aber, was dann daraus werden würde, das konnte sich eigentlich keiner. Seit der Aufführung in der Zehntscheuer wissen es alle: Ein ambitioniertes Unternehmen, das neben der Herausforderung an alle Beteiligten eine exzellente Umsetzung mit sehr vielen Inhalten zum Nachdenken in die Zehntscheuer brachte.

    Ein Traum: Endlich Frieden in meinem Land

    Reinkommen in den Theatersaal und sich berieseln lassen von der darstellenden Kunst war beim „Theater für eine bessere Welt“ nicht angesagt. Schon im Vorraum spielten die Schülerinnen und Schüler aus dem Paracelsus-Gymnasium-Hohenheim, dem Königin-Charlotte-Gymnasium, dem Wilhelms-Gymnasium und dem Geschwister-Scholl-Gymnasium einzelne Szenen auf der Empore, die nachdenklich machten. Unterstützt von den Jugendlichen aus dem Flüchtlingsheim am Wolfer stieg man schon mit der Frage in den eigentlichen Theatersaal hinauf: In welchem Land leben wir – und wie wollen wir damit umgehen, dass Flüchtlinge bei uns sind, die aus einer völlig anderen Welt in die unsere gekommen sind: Dort können sie nicht mehr leben – und hier? Bei uns? Wer sind sie? Geduldet? Willkommen? Mit Vorsicht zu genießen oder gar abgelehnt?

    Nachdenklich ging es weiter: „Leonce und Lena“, Büchners Lustspiel, der seiner Zeit - Mitte des neunzehnten Jahrhunderts – und den damals Mächtigen und Bedeutenden aus Klerus und Adel einen bitterbösen Spiegel vorhält, stand im Vordergrund. Umrankt von Gedichten zu Flucht und Exil schafften es die Ausschnitte des „Lustspiels“ eine Gesamtatmosphäre zu schaffen, die sehr wesentlich von der Schauspielkunst der gesamten Truppe abhängig war. Inszeniert und geleitet wurde das „Theater für eine bessere Welt“ von Judith Ellinger, Otto Seitz, Dominik Führinger, Anna Führinger und Stefan Hauck.

    Und es gelang!

    Schon der Auftakt war vielversprechend: Der „heiteren“ Anmoderation zur Langeweile des Adels damals folgte sofort eine Eingliederung des Flüchtlingsthemas in die Weltgeschichte:

    Wenn schon Globalisierung und Migration, dann doch – bitteschön – mit Erinnerung an eine Zeit, als Millionen von Deutschen darauf hoffen mussten, am Ende ihrer Flucht und Vertreibung in einer neuen Heimat willkommen zu sein. Das ist keine einhundert Jahre her, wird aber in manchen Diskussionen im heutigen Deutschland gerne vergessen.

    Auf der Bühne der Zehntscheuer zu sehen Lustspiel und tragische Inhalte, der Müßiggang als allergrößte Aufgabe kontrastiert mit Elend und Gehorsam derer, die das Pech haben, eben unten und nicht gelangweilt oben in der gesellschaftlichen Hierarchie angesiedelt zu sein, eine Herkulesaufgabe für Theaterkurse einer Schule in Inszenierung und Darstellungskunst.

    Es war eine Freude zu sehen, wie sich wirklich alle Darsteller auf der Bühne in ihre Rolle eingefunden hatten. Da gab es keinen Aussetzer, keine mäßige, als amateurhaft einzustufende Szene, sondern Überzeugung von der Bühne herunter, die Akteure spielten mit Leidenschaft und Herzblut – und ernteten lebhaften Beifall aus der bestens besetzten Zehntscheuer.

    Und die Jugendlichen aus dem Flüchtlingsheim waren kräftig mit dabei und mittendrin – und alles andere als am Rande. Dass einer von ihnen dann die galante Szene beim Flirt mit einer eher unwilligen Schönen sein Scheitern mit „Heilandssack!“ kommentierte, brachte neben dem Lacher des Publikums auch eine sehr wesentliche Erkenntnis mit sich: In Ärger und Freude sind wir uns alle einig im Gemütsleben. In der Empfindung von Not und Elend sollten wir das auch sein. Wer in einem Flüchtlingsheim wohnt, hat sich diese „Heimat“ nicht ausgesucht. Aber es könnte eben auch der Beginn für eine neue Lebensphase sein, die sehr viel besser wird, als die, weswegen man am Wolfer in den „Systembauten“ sitzt.

    Ein durchweg gelungenes Projekt, in dem soziale Auseinandersetzungen präsentiert wurden von Darstellern die alles nur eines nicht gemein hatten: die Konfrontation von Unterschiedlichkeit. Auf der Zehntscheuer-Bühne und im Publikum schloss man sich mit stürmischem Applaus dem größten Traum eines der Besucher an: „Ich wünsche mir Frieden in meinem Land!“

    Der dies schrieb, kommt aus Syrien.  

      

    Bisherige Aktionen

    2012 - Mama mutig
    2010 - "Peace Counts"
    2009 - Opfer rechter Gewalt